„arthefact“: Sprache überwindet Grenzen

«arthefact« will durch kreative Projekte Sprache vermitteln und fördern – Vereinsportrait in den Nürnberger Nachrichten vom 17.03.2009

NÜRNBERG – Sprache ist ein wichtiger Bestandteil jeder Kultur. Der Nürnberger Kulturförderverein «arthefact« hat sich Sprachvermittlung zur Überwindung von Grenzen zur Aufgabe gemacht.

Wer bei den Wörtern «mankeln«, «Beisterl« oder «Gankerl« nur Bahnhof versteht, ist auf der Internetseite von «arthefact« genau richtig. In einem kurzen Film wird erklärt, dass es sich dabei um die niederbayerischen Wörter für basteln, Kissen und Spitzbub handelt. An-schaulich möchten die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins helfen, den niederbayerischen Dialekt aufrecht zu erhalten. Denn der sei erstmals auf der Liste der bedrohten Sprachen aufgetaucht, berichtet Peter Sterl, einer der Gründer und Vorstandsmitglieder von arthefact.

Von der EU gefördert 

Ebenso wie in dem Film «Niederbayerisch für Anfänger« dreht sich bei den zahlreichen Projekten des Vereins, bei denen der künstlerische Aspekt die größte Rolle spielt, seit 2008 vieles rund ums Thema Sprache. So ist arthefact deutscher Partner im europäischen Sprachenprojekt «Young Civic Radio – Europe«, das von der EU gefördert wird.

Dabei versteht sich der Verein als eine Art virtuelle Fabrik – der Name ist eine Abkürzung für «art & theater factory« (Kunst- und Theater-Fabrik): Er bietet eine Plattform für künstlerische, kulturelle und pädagogische Projekte. Durch die Mitarbeiter, die alle einen künstlerischen Hintergrund haben und in verschiedenen Berufen arbeiten, entstehen immer neue Ideen und Entwürfe, erzählt Sterl.

Foto: Juliana Klengel

Foto: Juliana Klengel

So stehen beispielsweise auf der Homepage Mikrofilme zum Herunterladen bereit. 90 Sekunden dauernde Kurzfilme ohne Ton, die nur darauf warten, im Unterricht oder zu Hause von Jugendlichen aus ganz Europa synchronisiert zu werden. Einmal vertont und zurückgeschickt, werden sie im Internet veröffentlicht. Das Spannende dabei sei, wie sich die verschiedenen Sprachen mit ihrem jeweiligen kulturellen Hintergrund auf die Geschichten auswirken, sagt Sterl.

 

Neissepiraten in Aktion

Gedreht wurden die Filmsequenzen von den «Neissepiraten«, einer Jugendtheatergruppe aus dem Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien, die seit der Gründung des Vereins im Jahr 2000 zu den Projekten von arthefact zählt. Schon bei den Proben drehte sich alles um Sprache, berichtet Sterl. Denn die trinationale Gruppe besitzt keine gemeinsame, was das Zusammenspiel zur Herausforderung machte. 

Doch nicht nur bei solchen Konzepten kann Sprache zum Problem werden. Peter Sterl, der hauptberuflich als Bildungsmanager arbeitet, beobachtet das mehr und mehr: «Ich arbeite mit so vielen aufgeweckten Jugendlichen zusammen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, weil ihr Deutsch zu schlecht ist.« Dabei seien das nicht immer nur Jugendliche mit Migrationshintergrund. 

Aus diesem Grund steht die Sprachvermittlung bei den Projekten meist im Vordergrund. Wie etwa in dem Theaterstück «Kongla«, das in Zusammenarbeit mit der Theatergruppe thevo entstanden ist, oder den Kulturwochen «Sieben auf einen Streich« im Kinder- und Jugendhaus am Nordostbahnhof, wo neben Sprache auch Werte vermittelt werden sollen. 

Projekte fördern 

Schwierigkeiten habe der Verein keine, verrät Sterl. Vieles könne über EU-Mittel finanziert werden, der Rest über Spenden. Zudem fördert arthefact selbst interessante Projekte. Einen Wunsch für die Zukunft hat Sterl jedoch: Dass noch mehr Schulen die zahlreichen Angebote nutzen, «damit keine Jugendlichen mehr wegen der Sprache hinten herunterfallen.«

 

Autorin: Ariane Maier, Nürnberger Nachrichten vom 17.03.2009

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